Radicke richtet Appell an OB: „Das kann man einfach machen!“

Radicke richtet Appell an OB: „Das kann man einfach machen!“
17.08.2020

Am Wochenende war OB-Kandidat Radicke in der Herner Innenstadt unterwegs und hat sich ein Bild über die barrierefreie Stadt gemacht. „Wir sprechen immer von Inklusion in unserer Stadt und haben aber an einigen Bereichen noch einen weiten Weg zu gehen“, sagt Radicke, der an diesem Tag mit Samuel Mirzaian unterwegs ist. Mirzaian ist 22 Jahre alt und seit 2017 Rollstuhlfahrer. Radicke will von Mirzaian wissen: Wo gibt es hier Probleme für Menschen mit Behinderungen? Als erstes bleiben beide auf dem Robert-Brauner Platz stehen. „Kopfsteinpflaster ist immer ein Riesenproblem. Man bleibt hängen mit den vorderen Rädern und die Erschütterungen können auch Spasmen auslösen, auch für Rollatoren birgen diese Bodenverhältnisse Probleme“, sagt Mirzaian. „Man kann sicherlich nicht verlangen, den ganzen Platz hier neuzugestalten, aber eine barrierefreie Schneise, sollte eigentlich machbar sein, wenn man diesen Platz hier sowieso umgestaltet und so stolz auf die neuen Höfe ist“, sagt Radicke. Den nächsten Halt legen beide vor dem Bürgerbüro unweit der St. Bonifatius Kirche ein. Mirzaian bleibt mit dem Rollstuhl vor der geschlossenen Tür stehen. „Was fällt dir auf? Diese Tür öffnet sich nach außen und ist irre schwer. Sie ist für einen Menschen, der gehbehindert ist, oder auch für Eltern mit Kinderwagen schlicht nicht zu öffnen.“ Dass gerade die Bürgerdienste in unserer Stadt hier so schlecht aufgestellt sind, überrascht Radicke sichtlich. „Und selbst wenn ich es rein schaffe: Das Sichtfenster ist so hoch, dass ich die Person dahinter gar nicht sehen kann“, so Mirzaian. „Ein elektronischer Türöffner wäre hier gut.“
Die Begehung endet auf dem neu gestalteten Europaplatz. „Was fehlt hier?“, fragt Radicke. „Das, was in der ganzen Stadt fehlt. Du wirst in der ganzen Herner Innenstadt keine einzige öffentliche barrierefreie Toilette finden. Das ist ein echtes Problem“. Die Politik in Herne hatte bereits vor fünf Jahren in einem breiten Konsens ein Toilettenkonzept beschlossen. Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt, Bettina Szelag, hat immer wieder auf die Wichtigkeit hingewiesen. Geschehen ist seither nichts. „Ich gehe gerne mit dem amtierenden Oberbürgermeister oder sonst wem die Kataloge durch“, antwortet Mirzaian süffisant. „Dann passiert wenigstens mal was.“
Radicke richtet sich abschließend sehr deutlich an den amtierenden OB und die Stadtverwaltung: “Hier gibt es doch ein Ungleichgewicht. Wir bauen Klimasiedlungen, das WeHouse, unterstützen den Shamrockpark und planen das Raumschiff Blumenthal. Gleichzeitig feiern wir die Inklusion, aber es ist nicht möglich, auf 1,5km mal drei öffentliche barrierefreie Toiletten aufzustellen? Das kann man doch einfach mal machen!“, so Radicke. Der gesamte Tag „Barrierefrei durch Herne“ ist als Instagramstory auf dem Kanal von Timon Radicke zu sehen.